... hilft nur Power. Genauso erging es mir zumindest, als ich mir unlängst eine neue, leistungsstärkere Dampfmaschine zulegte, eine Wilesco D20, um genauer zu sein. Empfehlenswert oder nicht ? === So kam ich zur Wilesco D20 === Vor einiger Zeit hatte ich meinen Spaß an Modell-Dampfmaschinen wieder gefunden und mir zunächst eine Wilesco D5 zugelegt, die im fertig gebauten Zustand einer Wilesco D6 entspricht. So weit, so gut. Doch irgendwann reichte mir die Leistung dieser kleinsten Dampfmaschine aus der Reihe einfach nicht mehr, dazu verfügt dieses Modell über keine Dampfregulierung. Also schaute ich mich nach einer "größeren" Maschine um und entdeckte bei Amazon eine D20 für 218 € im Angebot. Der Normalpreis seitens Wilesco liegt bei 299 €. == Die Wilesco D20 == === Lieferumfang === Die Wilesco D20 wurde mir in einem recht großen Pappkarton geliefert. Der Karton enthielt neben der fast fertig aufgebauten Wilesco D20 einen deutschsprachigen Anleitungszettel und dazu alles an Zubehörteilen , welches zum ersten Betrieb der Dampfmaschine notwendig ist. Bauteile wie den Kesseldruckanzeiger und die Dampfpfeife mir Federmechanismus lagen in kleinen Tütchen verpackt nebst einer Unzahl an passenden Dichtungen in der Packung bei. Ferner gab es dazu alllerlei Kleinkataloge von Wilesco und auch ein Werkzeug in Form eines kleinen Maulschlüssels. Ebenso präsent war eine Erstladung an Esbit-Brennstoff, genannt "Witabs" in Form von 4 Tabs und ein wenig Dampfmaschinenöl. == Dampfkraft voraus ! == === Die Maschine klar machen === Zunächst schaute ich mir die Maschine ein bisschen genauer an - im Prinzip war sie komplett aufgebaut, nur den Schornstein galt es , korrekt auf seinen angestammten Platz auf der hinteren Öffnung des Kesselhauses zu setzen. Dank zweier beigelegter Schräubchen gilt es, diesen am Kesselhaus unten festzuschrauben. Den Aufbau der Maschine finde ich schon toll: das große Kesselhaus mit dem 250 ml Kessel mit dem großen Glassichtfenster im Frontbereich, das Wasserablassventil, welches vorne unterhalb des Glases sitzt, das wesentliche Teil, das Dampfregelventil und dann ebenso ein Highlight, das eigentliche Aggregat mit dem großen Schwungrad und dem Doppelkolbenantrieb, der pro Kolben einen Hubweg von immerhin 16 mm zu absolvieren hat und für entsprechend "Fuffu" sorgt. Wilesco stellt seine Maschinen übrigens überwiegend in Handarbeit in Lüdenscheid, Sauerland, her, die D20 ist also "made in germany" sozusagen. Der Brennerschieber war bereits unter dem Kesselhaus in Position eingeschoben und auch das Kondensat-/Abgasgefäß war hinten im Kesselhaus eingeschoben. Seit einiger Zeit baut Wilesco die D20 nämlich abweichend von der gehegten, jahrzehntelangen Tradition. Das "traditionelle", rote Ablaufwännchen für das Kondensat aus den Dampfleitungen gibt es bei meinem neuen, 2014er Modell nicht mehr. Der "Schmock" aus dem Kamin wird zusammen mit dem Kondensatwasser im angesprochenen Wännchen aufgefangen, welches ein wenig versteckt hinten im Kesselhaus sitzt. Dazu gleich noch mehr. === In Gang setzen === Dazu ein wichtiger Tipp: zum Betrieb UNBEDINGT STETS vorher den Wasserstand im Kessel kontrollieren und gegebenenfalls einfüllen ! Dazu sollte die Maschine generell nur in gut belüfteten Räumen, besser noch im Freien betrieben werden. Grund: das als Brennstoff genutzte Esbit setzt beim Abbrennen ein wenig Formaldehyd frei.Ich denke gerade über den Einsatz eines Spiritusbrenners nach, der verbrennt wenigstens ohne schädliche Abgase, ist aber Zukunftsmusik. Generell gilt: Eine Dampfmaschine funktioniert nicht ohne Wasser im Kessel. Schlimmer an einem wasserlosen Dampfmaschinenbetrieb ist aber, dass der Kessel Schaden nimmt, wenn ich ihn ohne Wasser anheize. Der Kessel der D20 ist nämlich nur weichgelötet und löst sich in seine Bestandteile auf, wenn er höher als 400 °C erhitzt wird. Nur mit ausreichend mit Wasser gefüllltem Kessel ist ein problemloser Betrieb möglich - daher gilt es, vor jeder "Dampffahrt" auch den Wasserstand im Kessel zu kontrollieren, was dank des eingebauten Schauglases bei diesem Modell auch ein Leichtes ist. Während des Betriebes ist darauf zu achten, dass der Kesseldruck nicht über 5 bar steigt - bis zu diesem Kesseldruck ist der Kessel vom TÜV druckgeprüft. Der Wert wird in Praxi aber nur schwer erreicht und meiner Ansicht nach auch nur in dem Fall, dass der Hobby-Maschinist "pennen" sollte und den Kessel einfach stets nur heizen lässt, ohne je Druck abzufordern - was im Prinzip schon einen praxisfernen Gebrauch entspricht. Im Betrieb habe ich jedenfalls maximal 3 bar erreicht und niemals mehr. Idealerweise sollte das Wasser vor dem Einfüllen vorgewärmt sein - ist das Wasser kalt, macht es aber auch nix, es dauert dann halt ein wenig länger, bis das Wasser im Kessel zu brodeln anfängt und somit der gewünschte "Dampfaufbauprozess" beginnt , denn Dampf, das ist, wie die Bezeichnung "Dampfmaschine" sagt, der eigentliche Treibstoff für diese Maschine. Zunächst galt es bei der neuen Maschine also, Wasser in den Kessel einzufüllen. Der Kessel der D20 ist von seinem Volumen her mit einer der Größten aus der gesamten Wilesco-Dampfmaschinenmodellreihe und fasst ein Viertel Liter Wasser. Das Einfüllen von Wasser (ich nutze stets destilliertes Wasser, so kann es keine Verkalkungen in den Leitungen geben) erfolgt über den beiliegenden Trichter. Ich füllte das Wasser über eine "zweckentfremdete" Fahrradtrinkflasche nach, das geht einfach und ich kann so auch recht gut "zielen" und dosieren. "Gefüllt" ist der Kessel übrigens , wenn der Wasserstand oberhalb des durch das vorne am Kessel eingebaute Schauglas liegt. Dies entsprach in meinem Fall etwa 10 vollen "Trichterladungen" an Wasser. Beim Einfüllen gilt es, den Druckregler ganz aufzudrehen - so entweicht die im Kessel befindliche Luft noch schneller. Danach schraubte ich den Druckmesser in das dafür vorgesehene Gewinde. Zuvor wählte ich allerdings eine Dichtung aus und entschied mich dabei für ein dickeres Modell. Diese Dichtung erwies sich auch gleich als goldrichtig, denn bei den Armaturen, die in die Windungen des Kessels oben einschraubt werden (dazu gehört auch das Federüberdruckventil, welches in der Mitte sitzt und die Federzugdampfpfeife) kann ich die Orientierung auf dem Modell nur über die Wahl der korrekten Dicke einer Dichtung bestimmen, schließlich muss alles "luftdicht" am Kessel verschraubt sein und die Gewinde haben eben ihre vorgegebenen Schraublängen. Nun, mit besagter "dicker" Dichtung als Unterlage konnte ich den Druckmesser so fest auf den Kessel schrauben, dass die Anzeige auch nach vorne zeigte. Bei der Federdruckdampfpfeife wählte ich eine "mitteldicke" Dichtung, dann saß auch der Federzug so, dass ich im Betrieb die Pfeife auch recht komfortabel bedienen kann. Nachdem also der Kessel mit ausreichend Wasser befüllt ist, geht es darum, den Kessel zu befeuern. Habe ich den Eindruck, dass ich "zuviel" Wasser eingefüllt habe, kann ich es übrigens dank einer vorne, unterhalb des Sichtfensters angebrachtes Wasserablassventil recht einfach wieder aus dem Tank ablassen. Das ist in der Regel nicht nötig, ein randvoll mit Wasser gefüllter Tank muss allerdings logischerweise länger beheizt werden, um Dampf zu erzeugen. Zum Befeuern muss ich zunächst den Brennschieber, der im Falle der D20 stattliche 12 cm Länge aufweist, mit 3 Tabletten Esbit beladen. Letztlich muss ich die Maschine noch an wesentlichen Teilen ölen. Ein Tropfen Dampfmaschinenöl muss auf je eine der beiden Wellen gegeben werden (d.h. deren Lager), dazu gilt es zur Schmierung des Kolbengestänges noch Öl in den "Öler" zu geben. Dazu gilt es, eine Rändelschraube abzudrehen, Öl einzufüllen, und wieder zuzuschrauben. Man sollte bei der Wahl des Öls unbedingt von leichteren und flüchtigen Ölen wie Balistol etc. absehen - die sind nicht hitzeresistent und verflüchtigen sich im Betrieb. Das Esbit im Schieber musste ich nun mit einem Feuerzeug anzünden und in das Brennerfach unter dem Kessel schieben - was im Falle der D20