Seit längerer Zeit beschäftige ich mit Füllfederhaltern und diversen Tinten. Angefangen hat alles damit, als ich mir selbst die Sütterlin Schrift beigebracht habe und überhaupt weil ich mit meinem allgemeinen Schriftbild sehr unzufrieden bin/war. Ich möchte in meiner Rezension kurz auf meine Beweggründe eingehen und dann auf den Füller ansich. Jahrelang habe ich nur mit Kuli geschrieben, meine Handschrift war dem eines Arztes nicht unähnlich - oft konnte ich meine eigenen Notizen nicht mehr lesen und nur aus dem Kontext heraus "entschlüsseln". Zwar habe ich schon seit längerem einen Waterman Füller (mit Edelstahlfeder), doch der ist eigentlich nur rumgelegen bis zu besagtem Zeitpunkt. Nun habe ich also begonnen schöner und vor allem langsamer und sorgfältiger zu schreiben. Ich bin eigentlich sehr zufrieden gewesen mit dem Watermanfüller (aus der Hemisphere Serie) aber zum schön schreiben bzw. für die Sütterlin Schrift ist eine M Feder einfach zu dick. Die Schrift ist doch sehr "rund" und es sieht einfach nicht so schön aus dann wenn die Linien zu dick sind. So habe ich also angefangen mich umzusehen; Auf der einen Seite kaufte ich mir ein paar Tintenfässer (u.a. welche aus der Pelikan Edelstein Serie und zwei Pilot Iroshizuku) sowieo einen Kolbenkonverter, denn beim Schönschreiben dürfen natürlich unterschiedliche Farben nicht fehlen. Auf der anderen Seite suchte ich aber auch einen neuen Füller. Zuerst schaute ich mich bei Pelikan um und bestellte mir einen M215, welche mich aber wegen des Plastiks und des leichten Gewichts nicht überzeugen konnte. Ich war einfach schon das Gewicht und die Qualität des alten Watermans gewohnt. Also ging der Pelikan wieder zurück. Ich schaute mich dann bei Waterman um und der Exception überzeugte mich mit seiner kantigen, eleganten Form und mit seinem höheren Gewicht. Anfangs hatte ich etwas Angst davor, wieder einen hochglanz lackierten Füller zu kaufen da beim alten Waterman der Lack schon etwas abgegangen ist und man Fingerabdrücke bzw. "Schweißflecken" (ich habe leider etwas schwitzige Hände) sehr gut sieht. Doch damit kann ich leben. Den Waterman Exception dann natürlich mit F Feder bestellt. Der erste Versuch war leider nichts, da der Füller den mir amazon schickte ganz offensichtlich gebraucht war - es klebte noch Tinte auf der Federspitze. Natürlich Top Service von amazon, denn sie haben mir umgehend Ersatz geschickt. Der Waterman Exception kommt in der üblichen blauen Waterman Geschenkbox mit weißem Umkarton. Die Box fällt jedoch eine Spur größer aus als die meines alten Hemisphere und wirkt mit dem hellblauen Streifen aus Stoff in der Mitte etwas hochwertiger. Der Füller liegt in einem kleinen Stoffbeutel in der Box, oben ist etwa 1cm dicker Schaumstoff damit beim Transport nichts verrutscht welche man dann rausnimmt. Hebt man das obere Teil weg, liegen unten eine Packung Serenity Blue Patronen (8 Stück), das übliche Waterman Garantieheftchen und - was ich bei meinem günstigeren Waterman nicht drinnen hatte - ein kleines Zettelchen mit einer Nummer oben, die man bei der Garantieabwicklung dann angeben muss. Der Kolbenkonverter ist wie gesagt, schon direkt im Füller drinnen. Als ich den Füller aus dem Beutel zog, dachte ich zuerst "wow, ist der schwer", wobei die Kappe vergleichsweise ein hohes Gewicht hat und dementsprechend ist der Füller etwas kopflastig. Ich war eigentlich von einem Bajonettverschluss am hinteren Teil ausgegangen, welchen ich in einem Video zum Exception gesehen habe. Diesen hat dieser jedoch nicht. Es ist ein ganz normaler Drehverschluss mit einer kleinen Gummidichtung. Dreht man also das hintere Ende ab, sieht man schon den Kolbenkonverter eingesetzt. Alles wirkt sehr gut verarbeitet. Die Kappe vorne wird übrigens aufgesteckt. Dann zum ersten Mal gleich Tinte aufgezogen - ich habe mich für die Pilot Iroshizuku kon-peki entschieden - und drauf losgeschrieben. Und ich war wirklich verblüfft. Der Tintenfluss ist wirklich perfekt und die Goldfeder schreibt unglaublich weich - kein Vergleich zur Edelstahlfeder. Weiters absolut keine Aussetzer und der Füller geht sofort an wenn man aufs Papier kommt. Ich war sehr beeindruckt und bin es noch immer. Was ich zur Federdicke noch sagen möchte: Der erste Füller den ich bekam war von den Linien her sehr viel feiner als der zweite. Bei Goldfedern gibt es immer Unterschiede in der Stärke: Nicht jede F Feder ist gleich einer anderen F Feder - manche fallen deutlich dünner aus, manche etwas dicker. Der zweite den ich bekam fällt etwas dicker aus, ist jedoch immer noch dünner als die M Edelstahlfeder. Ich bin zufrieden damit, die Feder liegt irgendwo zwischen F und M. Mir gefällts. Die Beschreibung auf amazon stimmt nicht, es handelt sich nämlich nicht um eine Bicolor Feder, denn sie ist nicht "Bicolor" sondern durchgehend rhodiniert ohne goldenen Anteil. Eine Bicolorfeder hat zb. der Pelikan M400. Die vordere Kappe hatte ich mal hinten aufgesteckt, aber dann ist er absolut unausbalanciert und er liegt sehr unangenehm in der Hand. Also lass ich die Kappe beim Schreiben am Tisch liegen. Da der Füller auf ohne Kappe hinten schon ein gutes Gewicht hat, ist es aber auch nicht nötig sie aufzustecken. Ich finde, es ist schon eine Umstellung von der Edelstahlfeder auf die Goldfeder. Die Goldfeder schreibt viel weicher und gibt mehr nach. Man muss seinen Druck beim Schreiben anpassen. Noch habe ich nicht die absolut perfekte Handhaltung und Druckkraft gefunden aber ich denke das werd ich bald raushaben. Bis jetzt bin ich jedoch sehr zufrieden mit der Feder, wobei ich ehrlich gesagt sagen muss, steht der Hemisphere dem Exception in Bezug auf die Verarbeitung um nichts nach. Auch der Hemisphere für seine gut 60€ ist sehr gut verarbeitet. Wer sich eine noch bessere Verarbeitung (abgesehen von den silbernen Zierteilen und der Goldfeder) erwartet wird aber enttäuscht. Der Hemisphere ist schon sehr gut verarbeitet, der Exception jedoch nicht mehr viel besser obwohl er ein vielfaches kostet. Wie gesagt, abgesehen von der Goldfeder und den versilberten Zierteilen ist der Exception nicht mehr wirklich besser als ein günstigerer Waterman. Ich hoffe aus meiner Rezension geht klar hervor dass ich sehr zufrieden bin mit dem Füller, aber ich ziehe trotzdem einen Stern ab, da ich den Preis ehrlich gesagt nicht gerechtfertigt finde für "nur" Goldfeder und die silbernen Zierteile. Und hätte ich den Füller nicht zu einem unglaublich guten Preis bekommen - für €300+ hätte ich ihn nicht gekauft bzw. wohl wieder zurückgeschickt. Mehr als €250,-- ist er meiner Meinung nach nicht Wert - vergleicht man die Verarbeitung (die wirklich sehr gut ist!) mit anderen, wesentlich günstigeren Modellen von Waterman. Ich möchte aber anmerken: Ich bin kein Sammler oä., dementsprechend macht der Nutzen und das perfekte Funktionieren des Füllers den Wert für mich aus, und ich habe ihn nicht zu "Prestigezwecken". Klar gibts rund um Mont Blanc und weiteren noch (wesentlich) teurere Füller, welche ich auch schon geschrieben habe. Aber ob einem der Mehrpreis (den man für Markennamen, übertriebene Zierteile aus Gold/Silber, Limited Editions usw.) den minimalen Mehrwert (bezogen auf die "Schreibleistung") wert ist, muss natürlich jeder selber entscheiden. Nachtrag 12.06.2015 Was ich noch wichtig zu erwähnen finde: Die schwarze Oberfläche ist wirklich sehr empfindlich. Wenn ich zur Uni fahre transportiere ich den Füller immer in der Box und nehme ihn nur zum Schreiben raus. Danach wandert er gleich wieder in die Box. Trotzdem sind bereits einige (wenn auch nur sehr feine) kleine Kratzer im Lack. Also unbedingt "gesondert" transportieren und nicht einfach mit anderen Schreibgeräten "zusammenwerfen". Wobei ich denke, für so einen schicken Füller kann man sich auch ein Ledertetui kaufen. Meines ist leider zu klein, deshalb vorerst mal in der Box. Weiters habe ich noch einen Schnappschuss meiner Notizen hinzugefügt sowie ein 3 Bilder zum Exception. Tinte ist die Waterman Serenity Blue (fällt auf dem Bild dün